Am Anfang der Corona-Krise fühlte ich mich hilflos und verunsichert. Die Aussichten auf ein Ende der Pandemie schienen sehr weit entfernt zu sein und die Auswirkungen durch das Virus waren beunruhigend. In den letzten drei Monaten habe ich gelernt, mich auf diese neue und unbestimmte Situation einzulassen und Schritt für Schritt, Tag für Tag, positiver in die Zukunft zu blicken. Geholfen haben mir dabei die mitfühlenden und aufmunternden Worte meiner Freunde, Familie, Bekannten und Kollegen. Plötzlich waren alle betroffen und alle füreinander da. Selten habe ich einen so starken Halt in Gemeinschaft gespürt. Und auch die Entschleunigung durch den Lockdown hat mir gut getan.
»In den letzten drei Monaten habe ich gelernt, mich auf diese neue
und unbestimmte Situation einzulassen und Schritt für Schritt,
Tag für Tag, positiver in die Zukunft zu blicken.«
Ich habe mir viele Gedanken gemacht über eine lebenswerte Zukunft und nachhaltigere Umweltpolitik und darüber, was ich aktiv dazu beitragen kann. Wieder ein Schritt in die richtige Richtung, den ich gehen möchte. Es ist eine intensive Zeit, die ich bewusster erlebe und die mich näher zu Gott gebracht hat. Er gibt mir jetzt Hoffnung und Halt und verleiht mir eine innere Stärke.
Ab und zu telefoniere ich mit einer älteren Dame, die coronabedingt kaum soziale Kontakte hat. Anfangs dachte ich, die Seniorin aufheitern und ermuntern zu müssen, bis ich schnell merkte, dass dies gar nicht nötig war, vielmehr verhalf sie mir durch ihre Lebenserfahrung und positive Lebenseinstellung zu einer klaren Sicht der Dinge und gelassenen Haltung. Die Telefonate mit ihr sind ein Geschenk für mich. Ich beobachte, dass viele Menschen diese Krise als Chance nutzen, um Schwachen zu helfen, solidarisch miteinander zu sein und sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Ich bin ganz sicher, dass wir schon jetzt und nach der Krise gestärkt aus ihr hervorgehen.
Judith S., Hamburg